Der Husumer Viehmarkt

 

Die Geschichte des Husumer Viehmarktes reicht zurück bis ins Mittelalter. Über die sogenannten Ochsenwege wurde meist Magervieh in oft tagelanger Reise aus den Viehzuchtgebieten Jütlands in das heutige Husumer Stadtgebiet getrieben.

  Shorthornbulle

Ab 1840 entwickelte sich zusätzlich ein reger Handel mit Weidefettvieh, das zunächst meist nach England weiter verkauft wurde und später in die Ballungsräume an Rhein, Ruhr und Spree, die durch die deutsche Industrialisierung entstandenen waren.

"Der Anstoß zum Vermarkten des Fettviehs kam von England, weil die dort beginnende Industrialisierung eine Außenhandels-Zollsenkung mit sich brachte und damit den gewinnbringenden Export der Weidemastrinder aus Schleswig ermöglichte." (1)

 

Gleichzeitig brachte der Handel mit England neue Impulse in die Viehzucht. Der englische Markt erforderte gute Fleischqualitäten. Dazu wurden aus England Zuchtbullen der Fleischrasse "Shorthorn" importiert, die die Qualität der regionalen Viehzucht entscheidend verbesserte.

 

Gehandelt wurden größere Gruppen (Triften) von Vieh "Auf dem Kamp" vor Husum und kleinere Triften auf der Husumer "Neustadt" (auf plattdeutsch "Nienstadt").
Der Straßenzug, der vom Stadtzentrum Richtung Norden führt, trägt heute noch den gleichen Namen. Die Rinder waren entweder vor den Gastätten auf der Straße angebunden oder in Ställen auf der "Neustadt" und "Hinter der Neustadt" untergebracht. Insgesamt war der Marktbetrieb mit Tagesauftrieben von 7000 - 10 000 Tieren zwar rege aber recht primitiv:

Neustadt
 

"Op'e Nienstadt harr jede Huus Schenk. Dartwischen op'e enge Staat, mit'e Rünnsteen in' Mürnt, stunnen de Tiern in luter Schiet und Miß. Un de Lüüd harrn de Stevel vull Schiet und Miß, un dat Tüüch speut se vull Miß. Denn kann man sik denken, wat de Hüüs uttoseen worrn, wenn se dar all mit erm schiitige Steveln un Tüüch rinklabastern. Aver dat maakt nicks, de Lüüd op'e Nienstadt levten je vun't Markt." (2)

 

Das änderte sich mit dem damaligen Bürgermeister Emanuel Gurlitt (1873 - 1896).
Er sah die Notwendigkeit - beim Absatz von 23 500 Rindern und 35 000 Schafen jährlich - einen festen Viehmarkt zu schaffen.
1887 wurde mit dem Bau einer modernen, mustergültigen Marktanlage begonnen, die 5000 Rinder und 2000 Schafe pro Markttag aufnehmen konnte.

Neben dem Handel mit Rindern und Schafen fanden hier ebenfalls, regelmäßig im Frühjahr und Herbst, Pferdemärkte statt, auf denen es besonders rege zuging.
Die per Handschlag besiegelten Verkäufe wurden natürlich gebührend begossen.

 

In der von Emanuel Gurlitt initiierten Marktanlage am Ende der Neustadt wurde vom 1.9 1888 bis zum November 1970 durchgängig Viehhandel betrieben, begleitet von den Aufs und Abs durch Maul-und Klauenseuche, Inflation und Krieg.
1969 zeichnete sich das Ende des Marktbetriebes ab. "Gründe waren hohe Frachtkosten beim Lebendversand mit der Bundesbahn und Verkürzung der Vermarktungswege durch Totversand über die Schlachthöfe....

 

Man kann heute sagen, 100 Jahre lang war der Viehmarkt die Hauptwirtschaftskraft der Stadt Husum in einer für uns Bauern unvergeßlichen Zeit.
Der Husumer Viehmarkt mußte im November 1970 die Tore endgültig schließen, sein Bestehen hörte auf, die Marktglocke ertönte nicht mehr." (3)

Marktglocke
  (1) Karl-Heinz Meyer, Der Husumer Viehmarkt,
Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 1994, S.6, (ISBN 3-88042-716-X)
(2) Dr. August Geerkens, ebd.
(3) ebd., S.10
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